Prof.Dr.Jörn Wittern
Hamburg, den 16. März 2002
Leserbrief an das Hamburger Abendblatt:
Zum Artikel und Kommentar von Rolf Zamponi im Wirtschaftsteil vom 15.3.2002
"Airbus steht für Arbeitsplätze"
Sehr geehrter Herr Zamponi,
gestatten Sie mir ein paar kurze Hinweise zu Ihrem Artikel vom 15.3.:
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Airbus hat in den letzten drei Jahren im Rahmen von Firmensanierungsprogrammen 10 600 Arbeitsplätze abgebaut oder deren Abbau angekündigt. Selbst wenn in Hamburg 2000 Arbeitsplätze entstehen sollten, ist die Firmenbilanz also immer noch verheerend.
- Für Hamburg sieht die Bilanz jedoch noch schlimmer aus. Als Folge des Ausbaus auf Finkenwerder werden allein im Alten Land etwa 3 500 Arbeitsplätze verloren gehen, im Bereich der Einflugschneisen in Nienstedten und Othmarschen etwa 1000, vor allem durch Abwanderung und Schließung von gastronomischen Betrieben, weitere 500 sind im Hafenbereich gefährdet, weil der Schiffsverkehr auf der Elbe wegen der Überflüge reduziert werden wird, die zunehmende Zerstörung Finkenwerders und Umgebung wird noch eimal etwa 1000 Arbeitsplätze bedrohen.
- Der volkswirtschaftliche Verlust allein in Hamburg, der durch die Werkserweiterung und ihre Folgen entsteht, beträgt auf beiden Elbufern jetzt schon etwa 10 Milliarden Euro, verursacht durch Verfall der Grundstücks- und Gebäudepreise, durch Bauverbote und Baustopps in den zukünftigen Einflugschneisen bzw. im Bereich der Pistenerweiterung und der Trassen für die Zufahrten im Alten Land und auf Finkenwerder usw.
- Airbus hatte im Frühjahr 2000 angekündigt, die Entscheidung über die Aufnahme der Produktion des A380 erst mit Beginn 2001 zu fällen, und zwar nur, wenn bis dahin 100 Festbestellungen vorlägen. Die Produktion wurde bei etwa 50 Bestellungen beschlossen, und gegenwärtig sind nicht einmal 85 Festbestellungen erreicht, denn ein Teil davon sind lediglich Optionen. Nach Auskunft der Werksleitung von vor einem Jahr bringen aber erst 1100 verkaufte Flugzeuge den A380 in die Gewinnzone. Davon kann wohl nicht einmal in der von Exsenator Mirow veranschlagten 30jährigen Lebensdauer dieses Projekts die Rede sein.
- Der Flugzeugbau garantiert keineswegs Beschäftigung für die Zukunft. Airbus sieht sich jetzt schon nach Produktionsstätten in China, Russland und, bei wachsender politischer Stabilität, in Nordafrika um, was im übrigen nur wirtschaftlich vernünftig ist, weil der A380 wegen der fehlenden Kapazitäten auf den meisten Flughäfen für den innereuropäischen Flugverkehr untauglich ist. In spätestens zwanzig Jahren dürfte die Flugzeugindustrie in Hamburg daher vor den gleichen Problemen stehen wie die Werftindustrie um 1970, abgesehen davon, dass es zumindest leichtsinnig, wenn nicht grob fahrlässig ist, Fugzeugen mit herkömmlcher Antriebsart, und der A380 ist so eines, eine längere Zukunft vorauszusagen.
Ich spare mir weitere Hinweise, aber die offenbare Rüstungslastigkeit des gesamten Projekts, die auch für Hamburg Konsequenzen haben wird, die allen marktwirtschaftlichen Grundsätzen Hohn sprechende Förderung aus verlorenen Steuermitteln in allen beteiligten Ländern seien wenigstens noch erwähnt. Was ich mir allerdings wünschte, wären Kommentare und Berichte in Ihrer Zeitung, welche Ihre Leser wenigstens auf die Einseitigkeit der Informationen durch die Airbuswerke und die interessierten politischen und wirtschaftlichen Gruppen hinweisen und einige der Nachrichten verwenden, die man sich in anderen Medien und im Internet ohne zu mühevolle Recherche beschaffen kann.
Mit freundlichen Grüßen
J. Wittern
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